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Willenlos im Rampenlicht

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Der soziale Gruppendruck auf der Bühne

Sobald sich die Mitspieler auf der Bühne befinden, unterliegen sie einem recht hohen Erwartungsdruck: Sie haben das Podium freiwillig betreten, wurden vielleicht von Freunden mitgezogen und möchten sich nun nicht lächerlich machen. Entsprechend versuchen sie, sich möglichst erwartungskonform zu verhalten. Gleichzeitig verstärkt der Showhypnotiseur ihre Kooperation, indem er das Publikum gezielt zum Beifall auffordert. Die Mitspieler werden somit sozial konditioniert weiter zu agieren. Und auch das Publikum applaudiert nach seiner Konditionierung bereits bei kleinen typischen Gesten des Showmanns. Derartige soziale Drucksituationen sind z. B. auch bei Fernsehinterviews und Talkshows zu beobachten, wenn Laien über ihre Probleme berichten sollen. Entsprechend „angeleitet“ erzählen sie Details aus ihrem Privatleben, die sie sonst nie äußern würden. Hier treffen jene Faktoren des Sozialdrucks zu, die bereits vom Sozialpsychologen Milgram (1963, 1966, 1974) anschaulich demonstriert wurden. Durch einfache Manipulationen bewirkte er in einem College Gruppendruck und erzeugte bei den Studenten Autoritätshörigkeit; schließlich waren sie sogar bereit, auf Anordnung Stromschläge zur Bestrafung zu verabreichen.

Das Bühnensetting

Meist ist die Bühne attraktiv und mit themenbezogenen Dekorationselementen ausgestaltet, so mit züngelnden Flammen oder bunten Flackerlichtern. Alles soll showmäßig-mystisch aussehen. Nach der Auswahl der Mitspieler ist der Zuschauerraum dunkel und auch die Bühne wird nur dezent-geheimnisvoll beleuchtet. Die Lautstärke der Musik ist so eingestellt, dass die Mitspieler den verstärkenden Zuschauerapplaus stets wahrnehmen können; das Publikum kann jedoch nicht hören, was ohne Mikrophon auf der Bühne gesprochen wird. So sind geheime Absprachen mit den Mitspielern möglich (Flüstertechnik). Die Musik muss, dem Geschmack der Jugend entsprechend, zeitgenössisch-modern sein. Aber auch ein rhythmisch-mystisches Element ist notwendig, damit die Erwartungshaltung verstärkt wird.

Hier finden wir genau die Elemente wieder, die seit alters her eingesetzt werden und in vielen Kulturen auch heute zu finden sind: Reduktion von Licht, akustischen Informationen und Bewegungsmonotonie. Zahlreiche Experimente der Wahrnehmungsforschung beweisen, dass durch diese Wahrnehmungsdeprivation und soziale Isolierung die Empfänglichkeit für jede Information und Kooperation erhöht wird (Wickramasekera 1969, Barabasz 1982, Barabasz und Barabasz, 1989).

Einleitung der Bühnenhypnose

Sind die Mitspieler durch die Vorselektionen als hoch hypnotisierbar erkannt worden, erfolgen meist Informationen wie: „Nur besonders intelligente Menschen sind gut hypnotisierbar. Hypnotisierbarkeit ist eine bestimmte kreative Fähigkeit.“ Dies ist eine so genannte double bind suggestion, d. h. sie impliziert: „Wenn ich nicht mitspiele, meinen die Leute, ich sei dumm und unkreativ – also kooperiere ich.“ Gleiche Suggestionen sprechen die betrügerischen Weber im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans-Christian Andersen (1805–1875) aus, denn nur für den sind die Kleider unsichtbar, „der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei“. Also kooperieren alle – nur nicht das naive Kind, das diesen moralischen Gruppendruck noch nicht kennt.

Nun folgt meist der tiefe Blick in die Augen der Mitspieler sowie die Suggestion, z. B.: „Immer mehr fällt dein Köper nach hinten. Du spürst einen Magneten, immer mehr nach hinten zieht er dich.“ Fast immer werden die stehenden Mitspieler nun abrupt auf den Rücken gelegt und sie bleiben reglos liegen. Durch das schnelle Umlegen entsteht eine starke vestibuläre Reizung (Vestibulum = Gleichgewichtsorgan), die kurzfristig zur Desorientierung führt und somit die Kooperation in einem reizreduzierten Umfeld zusätzlich erhöht. (Bei manchen Tieren, z. B. Hühnern, bewirkt dieses plötzliche Umdrehen eine Schreckstarre, die oft fälschlich als Hypnosewirkung bezeichnet wird.) Falls ein Mitspieler im Laufe der Show nicht mehr kooperieren, sondern aufstehen möchte, wird er unter dem bestehenden sozialen Druck (Bühne und double bind) sicherlich ruhig liegen bleiben. Kooperationsschwache Personen werden schnell erkannt und, weil störend, im Hintergrund gehalten, so durch die Flüsterinstruktion: „Bleibe bitte ruhig sitzen und lass die anderen weiter Spaß haben.“ Manche Bühnenhypnotiseure wenden zur Einleitung der Hypnose sogar den so genannten Karotissinus-Trick an und begeben sich dadurch in den Bereich krimineller Handlungen (s. Kasten „Der Karotissinus-Trick: Lebensgefahr“, S. 175).


„Sie werden gaaanz müde…“
„Ja, meine Arme sind schon eingeschlafen.“

 

  
Alternative 3. Der Geheimbericht (Edition Pandora) (Taschenbuch)
von Leslie Watkins
Siehe auch:
Alternative 3. Die Beweise
von Jim Keith
Die Apokalyptischen Reiter (Edition Pandora)
von Milton W. Cooper
Montauk: Das Montauk-Projekt 2. Rückkehr nach Montauk. Abenteuer mit der Synchronizität: II
von Preston B. Nichols
Montauk: Das Montauk-Projekt 1. Experimente mit der Zeit: I (Edition Pandora)
von Preston B. Nichols
 
    
     
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