Durchführungstricks in der Showhypnose
Damit eine Show wirkungsvoll ist, muss sie entsprechend dramaturgisch gestaltet sein. Für die Showhypnose gelten einige besondere Gestaltungselemente.
Theodore X. Barber hatte als Student durch Showhypnose Geld verdient und alle Durchführungstricks kennen gelernt. Später, als Professor, wurde er zu einem der bekanntesten Hypnoseforscher und erkundete besonders ihre Wirkfaktoren. Aus seinen Praxiserfahrungen nennt er folgende Showelemente (Meeker und Barber 1971):
1. Fehlen des Gegenbeweises
Der Trick wird meist nur für kurze Zeit gezeigt. So kann der Hypnotiseur die erstaunlichsten Effekte demonstrieren und niemand bemerkt, dass sie sich gar nicht länger aufrecht erhalten ließen. Der Gegenbeweis, dass Hypnose hier nicht wirksam war, kann also nicht geführt werden. Beispiel: Falten Sie die Hände ineinander und sie bleiben zusammengeklebt. Diese Suggestion wirkt bei fast allen Personen – für wenige Sekunden.
2. Flüstertechnik
Für das Publikum werden über das Mikrofon beeindruckende Suggestionen gegeben wie Du bist nun ein Affe oder Du gehst nun schmerzfrei leicht über die Glasscherben. Nun hält der Showmann sein Mikrophon etwas zur Seite und flüstert dem Mitspieler z. B. zu: Verhalte dich einfach wie ein Affe. Das ist lustig. Du kannst damit alle reinlegen und wirst von allen bewundert. Oder: Steige ruhig über die Glasscherben. Das tut garantiert nicht weh. Du musst wirklich keine Angst haben. Für die Mitspieler sind es lediglich einfache Instruktionen und Anweisungen und die Bitte um Kumpanei.
3. Hilfspersonal
Für manche besonders beeindruckende Darbietungen werden die Freiwilligen aus den Reihen des Showpersonals gestellt. Sie verhalten sich dann garantiert in der gewünschten Weise. In der Show von Rasti Rostelli stellte sich stets eine besonders zierliche junge Frau für die menschliche Brücke (s. u.) zur Verfügung. Jeder war erstaunt, wie eine derart fragile Person sogar das Gewicht des Künstlers auf dem Bauch tragen konnte. Beim Interview wurde sie als seine Freundin vorgestellt. Übrigens kann dieser Trick fast mit jeder beliebigen Person gelingen.
4. Spezialtricks
Viele der als Hypnose bezeichneten Demonstrationen sind Effekte aus dem Bereich der mentalen, apparativen bzw. chemischen Zaubertricks oder es sind Gauklertricks.
Beeindruckend oder unterhaltend sind Bühnendarbietungen, Zaubertricks und Shows nur durch ihre Einbettung in einen Kontext, eine Theorie, eine interessante Geschichte. Auf diese Weise wird ein dramaturgischer Spannungsbogen erzeugt, der die Aufmerksamkeit, Erwartungshaltung und auch Denkweise der Zuschauer in die gewünschte Richtung lenkt und dann Staunen bewirkt.
Beispiel: Würde der Autor auf einer Feier plötzlich Gläser zertrümmern und darauf mit nackten Füßen herumlaufen, dann würde er schnell als störendes Element entfernt werden. Kündigt er jedoch im gleichen Kreis wort- und gestenreich seine mentalen Fähigkeiten zur Schmerzbewältigung an, wird sein Scherbenlaufen begeistert bewundert.
Aus diesem Grund vermarkten viele Bühnenakteure ihre Darbietungen unter dem Namen Hypnose. Das ist zurzeit in der Unterhaltungsindustrie besonders gefragt und entsprechend ertragreich.

Shandor Khan demonstriert mit einer Gehilfin die Belastung der menschlichen Brücke. (Fernsehsendung: Freiwillig willenlos, WDR, 7. 9. 1986)