Tricks als Tierhypnose
Manch ein Künstler versetzt auch Tiere in Hypnose. Werden z. B. Hühner (s. o.), Spatzen, Katzen etc. schnell auf den Rücken gedreht, so verfallen sie in eine Schreckstarre. Wenn der Schweineexperte durch Aufsitzen bei der Sau eine Bewegungsstarre bewirkt, so hat er lediglich ihren arterhaltenden Begattungsreflex ausgelöst und damit ihre Paarungswilligkeit festgestellt. Viele derartige Reflexe werden show-wirksam als Tierhypnose vermarktet. Der fernöstliche Fakir, der mit beschwörenden Gesten zentnerschwere blutrünstige Krokodile hypnotisch zum Anhalten zwingt, arbeitet mit gehfaulen Alligatoren, deren Verhalten er kennt. Abgestimmt auf ihre Bewegungen reagiert er mit den vermeintlich magischen Beschwörungen. (Näheres hierzu bei Kossak 1997, 1999.)
Das Nagelbrett des Fakirs El Shari Sheikh. Beim Hinsetzen besteht Verletzungsgefahr. Deshalb legt der Fakir hier diskret ein gefaltetes Handtuch unter.
Auf der Brust des Fakirs befindet sich der Ytong-Block.
Der Ytong-Block zerspringt sofort, wodurch viel Energie absorbiert wird.
Das Aufstehen vom Nagelbrett ist wiederum gefährlich; der Fakir benötigt dabei etwas Hilfe. (Fernsehsendung: Knoff-Hoff-Show vom 8. 11. 1987)
Fakir-Effekte
Der Klassiker der Hypnoseshows ist die menschliche Brücke, menschliche Planke, wenn Mädchen zu Eisenbahnschienen werden. Eine Person muss sich im Rücken steif machen und wird dann mit Nacken und Waden jeweils auf eine Stuhllehne gelegt. Zur Krönung steigt der Showmaster ihr sogar in Siegerpose auf den Bauch. Diese beeindruckende Demonstration wirkt bei 80% naiver Personen allein durch die Instruktion, sich steif zu machen (Barber 1969). D. h. ohne jegliche Hypnose gelingt diese Starre nahezu allen Personen für zwei bis vier Minuten (Collins, 1961). Lediglich der Showkontext und das kurze Beklettern durch den Showmeister (= Fehlen des Gegenbeweises) geben dieser Banalität den Touch des Übersinnlichen.
Gern wird auch das Fakir-Nagelbrett benutzt. Unter der Suggestion der Schmerzlosigkeit legt sich sogar der Meister selbst mit nacktem Rücken auf das Nagelbrett. Nun steigt eine Person auf seine Brust oder ein großer Stein wird auf ihr mit einem wuchtigen Vorschlaghammerschlag zertrümmert. Der hypnotisch Geschützte steht unverletzt auf. Ein Sieg des Geistes über die Naturgesetze?
Dazu nun etwas Physik: Bei einer Brettgröße von ca. 40 x 80 cm und einem Nagelabstand von 2 cm verteilt sich der Gesamtdruck auf 800 Nägel. Wiegt der Fakir 80 kg, so belastet er das Brett mit ca. 60 kg, da seine Beine auf dem glatten Boden ruhen und nicht mitwiegen. Wird nun ein Schlag mit der Wucht von 50 kg (!) ausgeführt, wird das Brett mit 110 kg belastet, so bleiben pro Nagel 137,5 Gramm. Das ist auch bei einem etwas höheren Gewicht gut und schmerzfrei auszuhalten und kann von jedem mit einer Briefwaage getestet werden. Der Stein besteht meist aus Gasbeton, besitzt eine relativ große Masse und ist leicht zu zertrümmern. Die Energie des wuchtigen Hammerschlages wird so partiell durch die Steinmasse absorbiert, zum Großteil jedoch als Zertrümmerungsenergie nach außen geleitet. Der verbleibende nach unten gerichtete Kraftvektor beträgt nur noch wenige Kilogramm; der Druck pro Nagel liegt dann bei ca. 100 Gramm. Entmystifizierung mit dem Geiste und den Gesetzen der Physik!
Dieser Trick ist nur während der Phase des Hinsetzens
und Aufstehens schmerzhaft, da dann ein Großteil des Körpergewichtes über die kleine Gesäßfläche auf die Nägel drückt. Fast alle Künstler verwenden in dieser Phase als Sitz-Unterlage dezent ein Handtuch. Es wird von den Zuschauern toleriert, da sie es kaum bemerken.
Für das Scherbenlaufen werden vor den Augen des Publikums Flaschen und Gläser zu Scherben zerschlagen. Der Mitspieler geht nun mit nackten Füßen und in Trance unverletzt darüber. Hier trifft ebenfalls das o. g. Prinzip der Gewichtsverteilung auf zahlreiche Auflagepunkte zu – physikalisch wenig aufregend. Lediglich die Anfangsüberwindung ist zu bewundern. Die Flüstertechnik und der Gruppendruck helfen dabei. Mit einem Fernseh- und Kamerateam konnten wir diesen Effekt schnell selbst produzieren.
Die Glut am Boden lodert, die Person wird mit geeigneten Suggestionen für das Feuerlaufen eingestimmt und läuft nun behände und schmerzfrei darüber. Die jeweils kurze Verweildauer und die Temperaturverteilung auf zahlreiche Auflagestellen halten die Erhitzung der Fußsohlen in erträglichen Bereichen. Beglückend für den Teilnehmer ist hier sicherlich die Selbstüberwindung. Besondere Bewusstseinszustände, Hypnose etc. sind dabei nie erforderlich. Bestreicht man die Fußsohlen vorher mit einer Alaunlösung, so wird ein Teil der Hitzeenergie zur Umwandlung in Kristalle absorbiert und die effektive Berührungstemperatur am Fuß ist noch geringer. Weitere Beispiele sind bei Gibson (1976) zu finden.