Körperliche Beeinträchtigungen
Die durch den Karotissinus-Trick verursachten Schäden treten ggf. erst Stunden nach der Show auf und werden dann kaum mit diesem in Verbindung gebracht. Bei der menschlichen Brücke kann es durch falsche Lagerung oder Vorerkrankungen zu Wirbelsäulenverletzungen kommen. Steigt der Showhypnotiseur auf den Körper der als Brücke wirkenden Person, so können innere Verletzungen die Folge sein. In Süddeutschland liegt eine Klage gegen einen Showhypnotiseur vor, weil die Person als menschliche Brücke zu Boden fiel und sich Verletzungen im Kopf- und Kieferbereich mit Lockerung der Zähne zuzog. Die Begutachtung legt dar, dass die Person zwar freiwillig teilnahm, jedoch keine Einwilligung zur Verletzung gab. Der Hypnotiseur hatte die Teilnahme als ungefährlich beschrieben und damit die für die Durchführung erforderliche Sorgfalt vermissen lassen. Weiter habe er die Konstitution der Person nicht beachtet und die daraus abgeleitete Kontraindikation verschwiegen. Letztlich wurden bei der Geschädigten persönliche Auffälligkeiten mit geringer Belastbarkeit und Neigung zu starken emotionalen Störungen nachgewiesen, sodass sie selbst zu keiner realistischen Einschätzung der Gefahren einer Teilnahme in der Lage war. Auch der Hypnotiseur konnte diese Kontraindikationen nicht erkennen, nahm jedoch das Risiko in Kauf, um mit seiner Show Geld zu verdienen (Broelmann 2000).
Seelische Beeinträchtigungen
Auch wenn viele der scheinbar hypnotischen Phänomene der Show auf Tricks basieren, wendet der Showman dennoch durch seine Suggestionen mentale Manipulationen an. Es ist hierbei absolut nicht gesichert, ob die Mitspieler tatsächlich stets bei allem freiwillig kooperieren. Sie handeln bei einigen Instruktionen auf Grund des starken sozialen Drucks auf der Bühne gegen ihre Überzeugung. Durch die Situation verlieren sie einen Teil ihrer Kritikfähigkeit und ihrer Selbstbestimmung. Die Anweisungen entziehen ihnen jeglichen gerade dann zustehenden Schutz. Das bewirkt bei einigen spätestens nach der Show Verwirrtheit und Selbstzweifel: Wie stark habe ich mich eigentlich blamiert?
Eine Befragung von Showmitspielern zeigt, dass einige von ihnen fast während des ganzen Programms in Trance waren. Manche waren danach verwirrt, zogen sich zurück, litten unter Kontrollverlust. Eine Teilnehmerin verfiel sofort wieder in Trance, als sie im Radio Mundharmonikamusik wie in der Show hörte. Erst nach Ende des Stücks erwachte sie wieder (Echterling u. Emmerling 1987). Nach der Showhypnose vor Ärzten und Zahnärzten (und auch Hypnosefachleuten) klagte eine Teilnehmerin noch Monate später über Verwirrtheit, Entfremdungsgefühle und Schlafstörungen.
Der Showhypnotiseur kennt weder seine einzelnen Mitspieler noch deren psychische Befindlichkeiten, wendet aber dennoch ein Verfahren an, das in hohem Maße seelische Prozesse beeinflussen oder auslösen kann. Fachlich ist er nicht in der Lage, Problemreaktionen zu erkennen und dann die Situation für den Mitspieler zumindest neutral zu beenden. Er kann in der Show seelische Tiefen erreichen, die spätestens nach dem Auftritt starke seelische Beeinträchtigungen bewirken.
Der israelische Hypnoseforscher Moris Kleinhauz (1979, 1981, 1991) kann von dramatischen und über Jahre bestehenden schweren seelischen Schäden nach der Showhypnose berichten, so von katatonen (erstarrten) schizophrenen Reaktionen mit Stimmverlust und Lähmungserscheinungen, Schlafstörungen usw. Durch die Altersregression in der Show waren gravierende traumatische Kindheitserinnerungen abrupt aus der Verdrängung geholt worden und bewirkten massive Reaktionen. Allein das für die Altersregression benutzte Rückwärtszählen bis zur Zahl Sechs löste bei einer Mitwirkenden massive Ängste aus, die vom Showhypnotiseur nicht erkannt wurden. Nach der Show zeigte sie deutliche Anzeichen seelischer Zerrissenheit (dissoziative Zustände) und Depersonalisation. Die lang dauernde Psychotherapie enthüllte, dass sie vor einigen Jahren auf dem Weg in den Operationssaal im Lift auf der sechsten Etage steckengeblieben war.